Die Ärzte singen in einem ihrer Lieder: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär‘ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Wir können nicht gleich die ganze Welt verändern, aber wir können einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Welt jeden Tag ein bisschen besser wird. Bis hierhin hört sich das alles ganz toll an, aber die Welt zu retten ist eine ungeheure Arbeit. Und diese Arbeit machen wir, die AG Misheni Moyo. Natürlich retten wir nicht gleich die ganze Welt, das wäre fürs Erste etwas übertrieben, aber wir tragen unseren Teil dazu bei. Wenn irgendwo von der AG erzählt wird, dann sind die Reaktionen immer sehr positiv: „Das ist ja toll!“, „Soziales Engagement gibt es heute ja viel zu wenig an den Schulen!“, „Ich finde es total gut, dass ihr dafür eure Pausen und eure Freizeit opfert!“. Sehr bald nach den Lobreden kommt in den Gesprächen aber auch eine Frage auf: „Wie heißt ihr noch mal?“ Selbst Schüler, die seit der Gründung der AG auf dem Cusanus-Gymnasium sind, können sich unseren Namen leider (noch) nicht merken. Direkt nach der Frage, wie wir heißen, kommt die nächste Frage: „Hä?“ Die Antwort auf diese sehr kurze und prägnante Frage ist etwas länger als die Frage selbst: „Misheni Moyo kommt aus dem Afrikanischen. Der Name ist eine Wortkreation in (Ki)Suaheli und bedeutet „Mission Herz“.

misheni2012

Die Wurzeln der AG
Gegründet wurde die Arbeitsgemeinschaft „Misheni Moyo“ im Jahr 2006 auf Initiative von Schülern und nicht weil irgendein Lehrer auf die Idee kam, dass sich ein solches Projekt positiv auf das Schulbild auswirken könnte, auch wenn dies letztendlich natürlich ein kleiner, aber feiner Nebeneffekt ist. Carsten Rehling, Lehrer an unserer Schule, erklärte sich bereit, die AG zu leiten. Da Herr Rehling mittlerweile in Istanbul tätig ist, hat Herr Uhl sich kurzerhand bereits erklärt, die AG als Lehrperson zu betreuen.
Natürlich wollten wir Schüler auch gleich eine Aktion starten, bei der wir Geld für unser Projekt erwirtschaften konnten. Doch hier zeigte sich schon das erste Problem: Woher sollten wir Sachen kaufen, wenn wir selbst kaum finanzielle Mittel zur Verfügung hatten? Doch bereits hier half uns unser Projektbetreuer Herr Rehling und trat in Vorkasse, sodass wir auf dem Weihnachtsmarkt in Tholey 2006 unsere ersten 100 € selbst erwirtschafteten. Dies war das Kapital für die zukünftigen Aktionen. An Ideen mangelte es uns nicht, eher am Personal. Doch unsere Truppe wurde immer größer. In verstärkter Besetzung ging es schließlich an die Umsetzung unserer Ideen. In den zwei Jahren, die wir bestehen, haben sich einige Aktionen von Misheni Moyo fast schon fest etabliert.

Was wir tun
Im Frühjahr führen wir eine Faschingsdisko für unsere Unterstufe durch: Nicht nur zu Musik tanzen und feiern ist angesagt, auch Spiele werden angeboten, an denen jeder kostenfrei mitmachen kann und es sogar etwas zu gewinnen gibt! Verkleiden ist an diesem Tag natürlich ein Muss, nicht nur für die Schüler!
Weiter geht es dann in der Osterzeit mit einer eintägigen Teilnahme am Ostermarkt in St. Wendel. Mit dem Verkauf von Waffeln und Osterkränzen kommen auch hier ein paar Euro in die Kasse; bei unseren kleinen Kunden ist vor allem das kostenlose Schminken beliebt.
Kurz vor den großen Ferien folgt unser Sommerfest für die Unterstufe! Natürlich verlangt diese Aktivität genau wie die anderen Aktionen der AG Misheni Moyo viel Engagement! Schließlich müssen die Vorbereitungen für ein solches Event im Schuljahr genau geplant und organisiert werden! Dazu trägt jeder in der AG bei und übernimmt ein kleines Stück Verantwortung. Beim Sommerfest sind nicht nur die Schüler, sondern auch deren Eltern eingeladen um sich bei Kaffee und Kuchen gemütlich zu unterhalten und auszutauschen. Auch für ein Rahmenprogramm ist gesorgt: Die Tanz-AG „Die Murphys“ zeigt mit mehreren Auftritten ihr Können und die Jüngsten der Big-Band, die „Knallbonbons“, können sich vor einem größeren Publikum beweisen. Neben leckeren (alkoholfreien) Cocktails werden Würstchen angeboten, und es ist sozusagen Pflicht, dass jeder unter 20 Jahren an unserer Spaßolympiade mit Sackhüpfen, Eierlauf, Torwandschießen, Teebeutelweitwurf und und und teilnimmt. Die Besten des Tages werden mit einer Urkunde und einem Preis ausgezeichnet. Ebenfalls kann jeder bei unserer Tombola tolle Preise gewinnen.
Zum Jahresende folgt neben der Organisation der Bewirtung bei zahlreichen Schulaktivitäten der Plätzchenverkauf im Dezember. Dabei wird unsere Kasse weiter aufgefrischt und wir können die Welt ein kleines Stück verändern

Der Terminplan der AG war im vergangenen Jahr sehr voll. Neben den bereits beschriebenen alljährlichen Aktionen wie der Faschingsdisko, einer Verkaufsaktion auf dem St. Wendeler Ostermarkt und dem Sommerfest für die Unterstufe fanden im vergangenen Jahr einige Sonderaktionen statt.
Die erste war schon zu Beginn des Jahres. Wir haben zum ersten Mal gespendet. Am 12. Februar 2008 kam Herr Oster von der Kindernothilfe ans Cusanus-Gymnasium, um den von uns ausgestellten Scheck über 1500 € entgegenzunehmen (s. Foto oben). Unsere erste Spende ging an ein Projekt in Ruanda, wo das Geld unter anderem zum Brunnenbau und zum Anlegen von Gemeinschaftsfeldern genutzt wird, um so die Situation der dortigen Bevölkerung zu verbessern. In Ruanda kam es 1994 zu einem Bürgerkrieg zwischen Stammesgruppen. Dieser Völkermord forderte 800.000 bis 1 Million Opfer. Die Bevölkerung hat bis heute mit den Folgen des Genozids und Bürgerkrieges zu kämpfen. Vor allem der Landbevölkerung in Ruanda mangelt es an Perspektiven für die Zukunft. Das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe hat sich dort sehr bewährt. Deswegen wurde das Projekt der Kindernothilfe mit EU-Geldern unterstützt und so wurde die Spende von Misheni Moyo im Rahmen der „Aktion 1+3 = 4“ auf 6000 € erhöht.
An diesem Tag stellten wir ein weiteres Kindernothilfe-Projekt vor: Die Aktion „Rote Hand“. Ziel dieser Aktion ist es 1 Million rote Hände gegen den Missbrauch von Kindern im Krieg zu sammeln. Es gibt auf der Welt schätzungsweise 250.000 Kindersoldaten, obwohl dies schon seit Februar 2002 von der UN offiziell verboten ist. Misheni Moyo sammelt seit der Scheckübergabe fleißig rote Handabdrucke am Cusanus-Gymnasium, aber auch öffentlich wie zum Beispiel auf dem Ostermarkt. Wir haben uns zum Ziel gesetzt 900 Hände beizusteuern. Die Kunstlehrer haben sich dazu bereiterklärt im Unterricht von jedem Schüler ein realistisches Ziel sein sollte. Am 12. Februar 2009, dem „Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten“, werden die Hände durch die Kindernothilfe in New York an die UN übergeben.
Diesem großen Erfolgserlebnis folgte am 6. Juni 2008 gleich das nächste. Das Cusanus-Gymnasium wurde zur „Humanitären Schule“. (Link: Humanitäre Schule)
Den krönenden Jahresabschluss stellte der Weihnachtsball am 12. Dezember 2008 dar. Über diese Veranstaltung lässt sich eigentlich nur eins sagen: Es war toll! Über 100 Tänzer erlebten einen wunderbaren Abend in einer Aula, die vermutlich noch nie so schön geschmückt war. Schneeflocken hingen von der Decke und Sterne verzierten die sonst doch eher gewöhnungsbedürftigen grünen Vorhänge. Die Besucher des Weihnachtsballs durften außerdem ihre Ballkönigin und ihren Ballkönig küren. Der Ball war unsere erste Veranstaltung, die nur für Schüler ab Klasse 10 war, und sie war ein voller Erfolg. Nach dem Ball sind wir sogar gebeten worden, nicht nur einen Weihnachtsball, sondern auch gleich noch einen Sommerball zu organisieren. Diese positiven Rückmeldungen haben dazu beigetragen, dass der Weihnachtsball wohl zu den alljährlich stattfindenden Aktionen hinzukommen wird.
Aufgrund der vielen verschiedenen Aktionen in diesem Jahr haben wir natürlich auch viel Geld eingenommen. Es musste also erneut eine Entscheidung getroffen werden, welches Projekt wir als nächstes unterstützen würden. Im September wurde uns diese Entscheidung sehr erleichtert. Am 16. September 2008 bekamen wir Besuch aus Brasilien. Die Gäste waren im Rahmen einer Partnerschaftsreise der evangelischen Kirchengemeinde in St. Wendel und sollten eigentlich an diesem Tag nur eine deutsche Schule kennen lernen, doch wir waren so begeistert von der Arbeit, die in den brasilianischen Elendsvierteln von Novo Hamburgo geleistet wird, dass wir uns entschieden haben unsere zukünftigen Spenden an dieses Projekt zu geben.
Eines der Probleme in Brasilien ist, dass es nicht genügend Schulplätze gibt. Deswegen geht die Hälfte der Kinder morgens und die andere nachmittags zur Schule. Die Kinder, die in den Elendsvierteln leben, müssen häufig arbeiten oder betteln, wenn sie nicht in der Schule sind, um so mit für die Ernährung der Familie zu sorgen. Unsere Gäste betreiben am Rande des Elendsviertels eine Begegnungsstätte mit Namen AÇAO ENCONTRO (Aktion Treffpunkt). Hierher können die Kinder kommen, wenn sie nicht in der Schule sind. Sie bekommen dort eine warme Mahlzeit, Hilfe bei den Hausaufgaben und die Gelegenheit mit Gleichaltrigen zu spielen. Doch nicht nur die Kinder werden in der Begegnungsstätte betreut. Mütter und Jugendliche können in der Bäckerei oder in der Gärtnerei einen Kurs belegen, der sie beruflich weiter qualifiziert.
Unter den Gästen war auch Kamile, eine Erzieherin aus dem AÇAO. Sie erzählte uns von ihrer Arbeit. In einem Vortrag über die Schicksale von Kindern aus dem Elendsviertel zeigte sie uns, mit welchen Problemen sie täglich zu kämpfen hat. Danach brannten vor allem den jüngeren AG-Mitgliedern einige Fragen unter den Nägeln: „Wo kriegen die Kinder dort ihr Trinkwasser her?“, „Wo habt ihr das Geld für das ganze Essen für die Kinder her?“, „Habt ihr manchmal Angst, wenn ihr durch die Elendsviertel geht?“, „Seid ihr auch arm und wohnt im Elendsviertel oder seid ihr reich?“ Ganz selbstverständlich wurde jede Frage ausführlich beantwortet.
Die Arbeit dort ist einfach gut und wir wollen die Menschen dort unterstützen. Dieser Meinung waren auch andere und so erfahren wir für unsere Arbeit immer mehr Unterstützung. Beispielsweise erhalten wir in diesem Jahr die Erlöse aus dem Verkauf der Cusanus-T-Shirts.
Jetzt wo unsere Arbeit überall Akzeptanz findet, unsere Mitgliederzahlen drastisch gestiegen sind und sogar die Tages- und Schulpresse über uns berichtet, haben wir nur noch eine Bitte: Merkt euch endlich unseren Namen!