Latein am Cusanus-Gymnasium
„Cogito, ergo sum“ (René Descartes)
Das Fach Latein, intern und extern teilweise schon totgeglaubt, totgesagt und beinahe totgemacht – ein Fach, das sich im Konzert moderner Fächer auf einem scheinbar aussichtslosen Abstellgleis befindet – erlebt zur Zeit wieder (oder besser gesagt: immer noch) eine unerwartete Renaissance.
Denn die hochgelobt und fast in himmlische Sphären getriebene Digitalisierung der Fächer-Landschaft mit ChatGPT und KI in Öffentlichkeit und Schule offenbart immer größere Schwächen in der Schülerschaft: Aufschreie an den Universitäten ob der eklatanten Desiderate von Abiturienten in Deutsch und Mathe kritisieren und befeuern zunehmend negativ den Hype und die Hybris mit digitalen Medien an den Schule.
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Latein - Situation in G8 und jetzt wieder G9
In den letzten 20 Jahren hat sich neben anderen Fächern auch das Niveau des Latein-Unterrichts negativ verändert. Die Erlernungsphase war in G8 schlicht zu kurz, um anspruchsvolle und interessante Original-Literatur lesen zu können. Durch die Wieder-Einführung von G9 und dem zusätzlichen Lernjahr erlebt das Fach Latein spürbar mehr Leichtigkeit in der Vermittlung - auf beiden Seiten, also bei SchülerInnen und beim Lehrer. Erfreulich: Aus den 5 interessierten Schülerinnen und Schülern von 2007 sind mittlerweile mehrere ganze Lateinklassen oder halbe Schulklasse je nach Jahrgang geworden.
Latein - nicht das befürchtete Ende
Das von manchen befürchtete Ende des Latein-Unterrichts hat sich bisher trotz der neuen zusätzlichen vierten Säule am Cusanus-Gymnasium St. Wendel, dem künstlerisch-musischen Zweig, nicht engekündigt, denn "Latein lebt auch in anderen Sprachen und Fächern weiter" (Original-Zitat Lateinklasse 8) und ergänzt diese ganz konkret, wie etwa Deutsch oder Französisch, Geschichte oder Religion, Kunst oder Ethik, Technik und Naturwissenschaft. Oder liefert - gepaart mit Wissen etwa aus Archäologie, Anthropologie und Neuro-Psychologie - Erkenntnisse über den Lehrplan hinaus zur europäischen Kultur, zu Lernoptimierung oder zur Antike-Rezeption bis zur Moderne.
Kontinuität und Konseqeunz, Disziplin, Spaß und gegenseitiger Respekt spielen langfristig die entscheidende Rolle beim Erhalt eines lebendigen Latein-Unterrichts. Da bedarf es keiner Zwangsmaßnahmen, um gerne in die Schule zu kommen.
Deshalb will ich aller Cassandra-Rufe zum Trotz - auch über meine Ruhestands-Grenze 2028 hinaus, sofern es meine Gesundheit, das Bildungsministerium und unsere Schule zulassen - dem Fach Latein am Cusanus-Gymnasium St. Wendel weiter zur Verfügung stehen, "ne lingua Latina quid detrimenti capiat" (frei nach Cicero, In Cat. 1,4: "damit die lateinische Sprache keinen Schaden nehme").
